Unterstufe
Sechs Jahre lang die gleiche Lehrperson: Das ist der Kern der Unterstufe. Wer ein Kind so lange begleitet, kennt seine Stärken, seine Umwege und den Moment, in dem es bereit für den nächsten Schritt ist.

Eine Lehrperson über sechs Jahre
Während der ersten sechs Schuljahre unterrichtet dieselbe Lehrperson die Kinder in ihrer Klassengemeinschaft. Sie erteilt die Kernfächer im Epochenunterricht während der ersten zwei Schulstunden – das heißt, über mehrere Wochen hinweg steht ein Fach im Vordergrund.
Diese Konzentration hat einen einfachen Grund: Ein Thema, das wochenlang Raum bekommt, wird nicht abgehandelt, sondern durchdrungen. Und eine Lehrperson, die ihre Klasse über Jahre kennt, muss nicht jedes Jahr neu herausfinden, wer vor ihr sitzt.
Was wächst, statt sich abzulösen
In allen Fächern verfolgen wir einen jahrelangen, konstanten Aufbau, der den kindlichen Entwicklungsstufen folgt. Das Zeichnen von Freihandformen in den ersten Klassen wird in der 6. Klasse zur Geometrie. Die Tier- und Pflanzengeschichten und die Arbeit auf dem Bauernhof entwickeln sich hin zu Pflanzenkunde und Gartenbau in der Mittelstufe.
Nichts steht für sich. Was in der ersten Klasse als Bild beginnt, kehrt Jahre später als Begriff zurück – und trifft dann auf ein Kind, das es schon kennt.
Epochenunterricht und Fachunterricht
Nach dem Epochenunterricht schliesst sich der Fachunterricht an: Fremdsprachen, Handarbeit, Eurythmie. Die Eurythmie ist eine von Rudolf Steiner begründete Bewegungskunst, begleitet von Musik und Sprache; neben anderen Fähigkeiten stärkt sie das soziale Miteinander. Künstlerisch-musikalische Elemente durchziehen den gesamten Unterricht.
In der Unterstufe tauchen die Kinder durch bildhafte Erzählungen und aktives Tun in den Schulstoff ein. Sie nehmen den klassenspezifischen Erzählstoff auf und verinnerlichen ihn durch tägliches, rhythmisches Üben.
Das bewegte Klassenzimmer
In der 1. bis 3. Klasse unterstützt das «Bewegte Klassenzimmer» die Kinder in ihrer Entwicklung. Kinder in diesem Alter lernen mit dem ganzen Körper – Stillsitzen ist dafür die schlechteste Voraussetzung.
Klassenspiele, Rituale, Feste
Die Klassenspiele – das Martinsspiel der 2. Klasse, das Mittsommerspiel der 3. und 4. Klasse – stärken die Klassengemeinschaft und das Selbstvertrauen jedes einzelnen Kindes. Auf einer Bühne zu stehen verändert etwas, das kein Unterricht vermitteln kann.
In der Klassengemeinschaft üben die Kinder den sozialen Umgang miteinander. Rituale begleiten den Alltag und schaffen Geborgenheit. Klassenübergreifende Jahresfeste und Projekte stärken das Gemeinschaftsgefühl und geben Raum für die Wahrnehmung des Anderen.